Kreis­ver­band für Gar­ten­bau und Lan­des­pfle­ge Kelheim

Die ers­ten Ansät­ze zur Grün­dung des Kreis­ver­ban­des erfolg­ten im Jah­re 1908. Zunächst  wur­de am 07. Janu­ar 1908 in Kel­heim eine Aus­schuss­sit­zung ein­be­ru­fen. Das Ver­an­stal­tungs­lo­kal ist im Pro­to­koll nicht ange­ge­ben. Ein­be­ru­fen hat­te der “Obst­bau­ver­ein Kel­heim” auf Anre­gung des König­li­chen Bezirks­amt­man­nes Johann Lieb (Amts­per­son
ver­gleich­bar mit Land­rat). Die Grün­dungs­ver­samm­lung fand am Sonn­tag, 19. Janu­ar 1908 in  Teugn im Braue­rei-Gast­hof Dant­scher statt. Teil­neh­mer waren Ver­tre­ter aus den Obst­bau­ver­ei­nen Kel­heim, Hau­sen, Schneid­hart und Teugn.  Die Wahl der “Bezirks­vor­stand­schaft” (heu­te Kreis­ver­band) erfolg­te damals durch Zuruf.

Aus­zug aus dem Pro­to­koll­buch des Bezirks-Obst­bau-Ver­ban­des Kel­heim. Gegrün­det am 19. Janu­ar 1908.

1. Vor­sit­zen­der wur­de Bezirks­amt­mann Johann Lieb aus Kel­heim. Das Amt des Schrift­füh­rers und Kas­siers wur­de in einer Per­son vom Königl. Schloß­ver­wal­ter, Her­mann Sto­ckin­ger, eben­falls aus Kel­heim, über­nom­men. Als Bei­sit­zer konn­te jeder Orts­ver­ein eine Per­son benen­nen, die­se hat Ver­tre­tungs­recht. Aus Teugn wur­de Herr Dekan Bäum­ler beru­fen, für Hau­sen und Schneid­hart konn­te kein Bei­sit­zer benannt und soll­ten zu einem spä­te­ren Zeit­punkt bestimmt werden.
Der “Bezirks-Obst­bau­ver­band” umfass­te zunächst nur den Distrikt Kel­heim, wur­de aber sehr bald auf den Distrikt Abens­berg aus­ge­dehnt, um einen grö­ße­ren Wir­kungs­kreis und somit auch mehr Mit­glie­der zu erhal­ten. Dies führ­te in den fol­gen­den Jah­ren zur Grün­dung wei­te­rer Gar­ten­bau­ver­ei­ne. Bis zu die­sem Zeit­punkt wur­de nur der “Obst­bau­ver­ein Kel­heim” als sol­cher geführt. Die­ser wur­de bereits am 07. Febru­ar 1892 mit Bür­ger­meis­ter Johann
Falz­bo­den als 1. Vor­sit­zen­den gegrün­det. Auch der Gar­ten­bau­ver­ein Teugn wur­de schon vor 1908 erwähnt, sein offi­zi­el­les Grün­dungs­jahr ist jedoch auf die­ses Datum fest­ge­legt. Der hohe Stel­len­wert, den die Obst­bau­ver­ei­ne damals inne hat­ten, zeig­te sich dadurch, daß die Vor­stän­de meist hohe öffent­li­che Ämter beklei­de­ten. So waren es in den Grün­der­zei­ten die hohen Her­ren der König­li­chen Lie­gen­schafts­ver­wal­tun­gen (heu­te Land­kreis), ebenso
Amt­män­ner und Regie­rungs­rä­te sowie Leh­rer, Pfar­rer, Guts- und Fabrik­be­sit­zer. Die Ver­eins­mit­glie­der wuss­ten sehr wohl um die Vor­tei­le einer Mit­glied­schaft beim Obst­bau­ver­ein, wenn der­art hono­ri­ge Per­sön­lich­kei­ten den Ver­ein führ­ten, wobei hier­für nur Män­ner beru­fen wur­den. Frau­en waren in den Obst­bau­ver­ei­nen nicht vertreten.
Um die Zie­le der Obst­bau­ver­ei­ne fest­zu­schrei­ben, wur­de eine Sat­zung erar­bei­tet. Inner­halb einer vor­lie­gen­den Sat­zung aus dem Jah­re 1921, wel­che vom Kreis­ver­band Nie­der­bay­ern für den Obst- und Gar­ten­bau, heu­te Bezirks­ver­band für Gar­ten­bau und Lan­des­pfle­ge, auf­ge­legt wur­de, ist unter Para­graph 2 “Zweck” wört­lich herausgestellt:
“Der Kreis­ver­band erstrebt im Anschlus­se an den Lan­des­ver­band die Hebung des Obst- und Gar­ten­bau­es in Nie­der­bay­ern, ins­be­son­de­re durch:
a) Anre­gung des Sin­nes für Obst- und Gartenbau,
b) Ver­brei­tung der Kennt­nis­se zum wirt­schaft­li­chen Betrieb des Obst- und Gartenbaues,
c) För­de­rung der Aus­bil­dung und Auf­stel­lung von Bezirks­gärt­nern, Bezirks- und Vereinsbaumwärtern,
d) För­de­rung der Obst- und Gemüseverwertung,
e) Wan­der­ver­samm­lung und Schau­en von Aus­stel­lun­gen für Erzeug­nis­se des Obst- und Gartenbaues,
f) Ver­tre­tung der Inter­es­sen des Obst- und Gartenbaues,
g) Zuwen­dun­gen an die ange­schlos­se­nen Bezirks­ver­bän­de und Vereine.”

Abso­lu­ten Vor­rang hat­ten in der Ver­eins­ar­beit zunächst die Bemü­hun­gen, den Mit­glie­dern finan­zi­el­le Vor­tei­le zu ver­schaf­fen. Es waren dies der ver­bil­lig­ten Bezug von Obst­bäu­men und Bee­ren­sträu­chern, Samen, Dün­ger, Pflan­zen­schutz­mit­tel. Das Geld war zu die­ser Zeit äußerst knapp. So schreibt der Chro­nist im Grün­dungs­pro­to­koll des “Bezirks-Obst­bau­ver­ban­des Kel­heim” (heu­te Kreisverband):

Außer dem gemein­schaft­li­chen Vor­ge­hen zur Hebung des Obst­bau­es nach jeder Rich­tung, ist ein Zusam­men­schluß zu einem Bezirks­ver­band schon aus finan­zi­el­len Grün­den not­wen­dig, indem die Erlan­gung von Zuschüs­sen aus Bezirks­ver­bands­mit­teln nur mehr einer sol­chen Ver­ei­ni­gung ermög­licht wird”.

Die Akti­vi­tä­ten der dama­li­gen Obst­bau­ver­ei­ne beschränk­ten sich auf die jähr­li­che Obst­bau­ver­samm­lung, Obst­baum­schnitt­kur­sen und gemein­sa­me Samen­be­stel­lung der Mit­glie­der. Ab Ende der 30-er Jah­re wur­den die Obst­bau­ver­ei­ne auf­ge­löst, deren Ver­eins­ver­mö­gen ein­ge­zo­gen und jeg­li­che offi­zi­el­le Ver­eins­tä­tig­keit untersagt.
Nach dem Ende des II. Welt­krie­ges kam es erst nach meh­re­ren Jah­ren wie­der zu Ver­eins­ak­ti­vi­tä­ten. Um die Arbeit der Obst­bau­ver­ei­ne wie­der zu bele­ben, wur­de Pfar­rer Josef Schlos­ser aus Ihr­ler­stein von Land­rat Ber­ger gedrängt, zunächst kom­mis­sa­risch den Vor­sitz des Kreis­ver­ban­des zu über­neh­men. Zunächst gab es eine Umbe­nen­nung, so lau­te­te die amt­li­che Bezeich­nung statt “Bezirks­ver­band” nun “Kreis­ver­band der Gar­ten­bau­ver­ei­ne Kel­heim”. Vor­ran­gi­ges Ziel war die Unter­stüt­zung der Obst­bau­ver­ei­ne bei der Beschaf­fung von Gar­ten­be­darfs­ar­ti­keln, was offen­sicht­lich ein gro­ßes Pro­blem war. Gefragt waren vor allem Spritz­mit­tel, Kon­ser­ven­do­sen mit Deckel, Ben­zin für Motor­sprit­zen, Gemü­se­sa­men, Obst­bäu­me und Edel­rei­ser. Ein wei­te­rer Aus­zug aus dem Pro­to­koll von der Haupt­ver­samm­lung am 08. Juni 1947 in Saal/Do. macht dies deut­lich. Hier ist unter ande­rem ver­merkt: “Der 1. Vor­stand schloß die Ver­samm­lung mit einem ein­dring­li­chen Hin­weis auf den hohen mate­ri­el­len und ideel­len Wert des Obst- und Gar­ten­bau­es in unse­rer Not­zeit. Er for­der­te alle Teil­neh­mer auf, sich in Arbeits- und Inter­es­sen­ge­mein­schaft zusam­men­zu­fin­den und die Bemü­hun­gen des Kreis­ver­ban­des zur För­de­rung des Obst- und Gar­ten­bau­es zu tei­len und zu fördern”.

Im Jahr 1948 wur­de sogar eine Jugend­grup­pe gegrün­det, für deren fach­li­che Aus­bil­dung sich auch Land­rat Ber­ger ein­setz­te. Ab 1950 kam es beim Kreis­ver­band zu einem star­ken Auf­schwung. So waren zu die­ser Zeit im Kreis­ver­band Kel­heim 26 Obst­bau­ver­ei­ne mit 1640 Mit­glie­dern regis­triert. Im Hin­blick auf die dama­li­ge Grö­ße des Land­krei­ses Kel­heim war dies eine enor­me Stei­ge­rung. Der Kreis­ver­band Kel­heim war damals der mit­glie­der­stärks­te Ver­band in Nie­der­bay­ern. All­mäh­lich ent­wi­ckel­ten die Orts­ver­ei­ne auch gesell­schaft­li­che Akti­vi­tä­ten, auch wur­den erst­mals Aus­flugs­fahr­ten unter­nom­men. Wei­ter­hin wur­den wie­der Obst­schau­en auf­ge­baut und Weih­nachts­fei­ern ver­an­stal­tet. Eini­ge Obst­bau­ver­ei­ne führ­ten damals sogar regel­mä­ßig Thea­ter­spie­le auf. Das hohe Anse­hen des Kreis­ver­ban­des ist in die­ser wirt­schaft­lich noch recht schwie­ri­gen Zeit aus den sehr gut besuch­ten Mit­glie­der­ver­samm­lun­gen zu erse­hen. Die Arbeit des Kreis­ver­ban­des war und ist von den Bemü­hun­gen geprägt, die Mit­glieds­ver­ei­ne in fach­li­cher und auch ideel­ler Hin­sicht aktiv zu unterstützen.

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